Das gelbe Halstuch der Soldaten im ACW

Vor einiger Zeit habe ich in dem Artikel »Warum Amerikanischer Bürgerkrieg?« die Frage gestellt, was eigentlich der Ursprung des Mythos ist, dass die Soldaten damals (oder danach in den Indianerkriegen) ein gelbes Halstuch getragen haben sollen. Für mich war das interessant, da ich diese Darstellung tatsächlich lange für wahr gehalten habe. Auf den Artikel haben sich zwei Leser gemeldet und mich etwas aufgeklärt. Dafür vielen Dank! Da ich das nicht vorher geklärt habe, möchte ich auch keine Namen veröffentlichen. Die beiden wissen sicher Bescheid!


Ob in Kultwestern, Comics, den typischen Plastiksoldaten der 70er Jahre oder bei Playmobil: in den Uniformdarstellungen der Soldaten des Amerikanischen Bürgerkrieges regierte das gelbe Halstuch. Idealerweise gleich bei den Nord- und den Südstaaten. Wer dagegen historische Fotografien studiert, wird dieses Accessoire kaum finden. Natürlich gab es Halstücher – und unter den legendären Cowboys im Wilden Westen als Staubschutz verbürgt im Einsatz – doch Teil der Uniform waren sie weder bei den Konföderierten noch bei den Unionstruppen.


Ursprung der gelben Halstücher

Der Mythos wurde wahrscheinlich erst fast hundert Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg geboren. Und zwar in der amerikanischen Filmindustrie. Eine Theorie besagt, dass die Produzenten der ersten Schwarz/Weiß-Western, ein helles Halstuch als Kontrast zur dunklen Uniform benutz haben. John Wayne benutze in seinen Filmen ein gelbes Halstuch, da er es für ein passendes Ausrüstungsstück hielt. Gelb war, bei der Union wie bei den Konföderierten, zum einen die Farbe der Kavallerie (was allerdings die Darstellung bei der Infanterie nicht erklärt) und zum anderen weil Wayne das Lied »Yellow Gibbon« mochte. Inhalt des Liedes ist die Liebe einer Frau zu einem US-Kavalleristen. Um das zu zeigen, trug sie eine gelbe Haarschleife. Das soll sich tatsächlich auch so zugetragen haben.

© 2020, Michael Kaspar – Unions-Kavallerie mit gelben Halstuch (kleine Illustration von mir)

Und danach haben es Comiczeichner, Spielzeughersteller und Filmemacher einfach übernommen. Die Uniformen wurden danach fast ausschließlich nur noch mit gelben Halstüchern dargestellt. Das hat sich bis heute tapfer gehalten. In jüngeren geschichtlichen Dokumentationen findet man diese Darstellung nicht mehr. In »Gettysburg« von Ridley und Tony Scott, der 2009 produziert wurde, kommt das gelbe Halstuch genauso wenig vor wie im Bereich des Reenactment, die es bekanntlich mit der Historie sehr genau nehmen.

Dass einzelne Soldaten ein Halstuch getragen haben, ist natürlich nicht auszuschließen. Gerade bei den Soldaten der späteren US Kavallerie war das Halstuch als Staubschutz oder als Schutz vor Wunddieb am Kragen im Einsatz. Doch es soll sich eher um ein schwarzes Tuch gehandelt haben, was möglicherweise im Truppenalltag auch farblich abweichen konnte.