Warum Amerikanischer Bürgerkrieg?

Miniaturen und Regelsysteme gibt es in Hülle und Fülle. Die Entscheidung, welche Epochen man am liebsten spielt ist sicher eine der spannendsten Entscheidungen eines Spielers. Wie kommt man also auf den Amerikanischen Bürgerkrieg?

Wer die Welt des Tabletop sein Hobby nennt (also kleine Figuren anmalt und nach bestimmten Regelwerken damit spielt) der hat die Möglichkeit aus einer schier unübersehbaren Menge an Epochen, Ranges und Regelwerken zu wählen. Ständig ist man der Versuchung ausgesetzt, sich mit den verschiedensten neuen Systemen zu »infizieren«. Die Folgen können dramatisch sein: Bücherwände voller ungelesener Regelwerke und einen Berg mit unbemalten Miniaturen verschiedenster Epochen, Hersteller und Größen.

Deshalb ist man aufgrund der begrenzten Lebenserwartung gezwungen zu selektieren. Wie gelingt das am besten? Man macht das auf was man die meiste Lust hat!

Ich bevorzuge zum Spielen generell die sogenannten »Rank-and-File-Systeme«, also das Darstellen der Figuren in Gruppen, die zusammen Regimenter bilden. Also keine einzeln basierten Figuren sondern Massen an Figuren! Was immer dabei sein muss: Pferde. Ich spiele ungern ein System ohne Reiter und am liebsten die klassische Aufstellung Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Der Amerikanische Bürgerkrieg (ACW = American Civil War) bietet das alles.

Historisch finde ich diesen Konflikt äußerst spannend, spare mir hier aber jede geschichtliche Ausführung, denn der geneigte Leser, die die Zeilen bis hierher verfolgt hat, ist definitiv bestens mit der Epoche vertraut, … meist besser als ich.

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Plasty

Mosaik

Warum also Amerikanischer Bürgerkrieg?
Ich glaube die Entscheidung welchem Spiel oder welcher Epoche man sich zuwendet hängt stark mit der Prägung in der Kindheit zusammen. Letzten Endes müssen einen natürlich die Figuren gefallen, die man bemalen möchte, doch die Frage in welcher Epoche man sucht hängt wieder von eigenen Präferenzen ab.

Die wahrscheinliche erste Berührung mit dem amerikanischen Bürgerkrieg bekam ich direkt im Kinderzimmer. Mein Großvater schenkte mir nach den typischen Indianerfiguren auch die blau-uniformierten Nordstaatler der »Western-Billy-Serie« von Plasty. Das Aussehen dieser Plastiksoldaten hat lange meine Vorstellung vom Aussehen der Bürgerkriegsarmeen in Nord und Süd geprägt. Mal abgesehen von der vereinfachten farblichen Darstellung – alle Kleidungsstücke oberhalb des Gürtels waren Blau oder Grau – hatten die Soldaten beider Seiten weiße Hosenträger über der Uniform und ein gelbes Halstuch. Gerade letzteres habe ich noch lange für bare Münze gehalten.

Da ich mich nach meiner Kindheit eher geschichtlich mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg auseinandergesetzt und weniger die Uniformen studiert habe, ist es erst sehr spät zu mir gedrungen, dass die Uniformierung mit einem gelben Halstuch eine Erfindung Hollywoods war.

Aber auch in der Literatur gibt es zahlreiche Beispiele, die diesem Mythos aufgesessen sind. Ein wichtiger Begleiter meiner Kindheit, das hoch geschätzte Mosaik (von Hannes Hegen), verwendete in der »Amerikaserie« in der Darstellung der Unionssoldaten ebenfalls das Halstuch. Das ist insofern bemerkenswert, da die Macher des Mosaik immer größten Wert auf geschichtliche Genauigkeit gelegt haben.

Wie es zu dieser weit verbreiteten verfälschten Darstellung in Filmen, Büchern und Comics gekommen ist, ist mir nicht bekannt. Falls es jemand Hintergrundwissen hat – mir bitte gern mailen!